Fahrt von Germignaga nach Locarno, weiter ins Centovalli und nach Santa Maria Maggia . Auf dem Rückweg kurz in Valle Orsernone.

Nach
dem Val Verzasca, dem Valle
Maggia
und dem Val Bavone, bietet das Centovalli eine weitere
landschaftliche Attraktion des schweizerischen Tessin. Die Fahrt mit dem
Auto führt durch die Schluchten der "100 Täler" mit traumhaften
Ausblicken in die Täler und die umliegenden Bergketten.
Unglaubliche
83 Brücken und 34
Tunnels
passiert die historische Centovalli-Bahn bei ihrer Fahrt durch die
Berge.
19 Kilometer lang ist der Streckenabschnitt in der Schweiz
(Locarno-Camedo), die verbleibende Strecke verläuft in Italien.
Durch
das Centovalli zwängt sich der Fluss Melezza, mal leise plätschernd,
mal
sprudelnd über dicke, ruppige Felsbrocken, dann plötzlich laut tosend in
die Tiefe stürzend. Die engen Täler zwischen den über 2000 Meter hohen
Bergen lassen wenig Licht in ihre Klüfte fallen. Der smaragdgrüne
Palagnedra-Stausee kommt durch diese Lichteinwirkung noch besser zum
Vorschein.
Wieder
fuhr ich erst zum Talende nach
San Maria Maggiore in Val Vigezzo, um
dann auf den Rückweg das Interessanteste auf dieser Tour zu
sehen.
Die Straße läuft überwiegend auf der sonnigen Nordseite des Tals und
verbindet die alten bewohnten Dörfer (Tegna, Verscio, Intragna usw.) am
Berghang, während die kleinen Dörfchen am schattigen Südhang heute oft
verlassen und unbewohnt sind.
Das
verkehrsberuhigte Santa Maria Maggiore mit seinen stilvollen, mit
Außenfresken verzierten Häusern ist ein schöner Ort, im Sommer ein wenig
verschlafen, da die Hauptsaison doch der Winter ist. Das gilt für das
ganze Val Vigezzo.
Nächstes
Ziel war dann
Re, der bekannte Wallfahrtsort, der ganz dominiert wird
von der gewaltigen Wallfahrtskirche "Santuario della
Madonna
di Re". Die Geschichte dieser Kirche ist das Wunder vom 29.
April 1494. Ein Steinwerfer traf die Stirn eines Marienbildes vor der
örtlichen Kapelle und während sich Blut über das Marienbild und das
Jesuskind ergoss, geschahen Heilungswunder an schnell herbeigeeilten
Menschen.
Zuerst
entstand hier eine kleine Wallfahrtskirche und 1894 wurde
mit
einer riesigen neuen Kirche im Stil des Historismus zu bauen begonnen
und 1958 fertig gestellt und geweiht. Zwar kann man diesen gewaltigen
"neobyzantinischen" Kuppelbau durchaus unterschiedlich beurteilen, aber
der Faszination dieses mächtigen Kirchenbaus kann sich kaum ein Besucher
entziehen.
Wie ein Adlerhorst erscheint das Dorf Verdaiso wenn
man von Re kommend die
Berge
bestaunt. Die anderen Dörfer kleben ein wenig niedriger verstreut an den
Gebirgswänden. Eine schmale Straße windet sich auf fast 900 m. Der Blick
hinunter ins Tal und in die Umgebung ist fantastisch. Auf der
anderen
Seite liegt Rasa. Vom Parkplatz der Seilbahn zum Monte Comino. Mit der
modernen Seilbahn ist der Monte Comino aus im Sommer wie auch im Winter
bequem zu erreichen. Einwenig unterhalb der Straße, liegt der Bahnhof
der Centovallibahn, Verdaiso.
Von
hier aus geht eine kleine Seilbahn hinauf nach Rasa dem Dorf, zu dem
keine Straße führt. Gerne wäre ich zu
Fuß
zu dem autofreien Tessiner Vorzeigedorf mit dem sensationellen Ausblick
auf die umliegenden Berge gewandert. Einige Hundert Meter
Höhenunterschied sind zu bezwingen, das braucht Zeit, die ich nicht
hatte.
Die
Seilbahnfahrt dauerte ca. 10
Minuten
und so hatte ich wenigstens die Zeit, den Ort zu besichtigen. Es ist
eines der interessantesten Dörfer im Tessin und beeindruckt durch seine
herrlichen Steinhäuser.
Danach
fuhr ich weiter Richtung Intraga zum
Valle Onserone.
Das Valle Onsernone gilt als eines der schönsten und
ursprünglichsten Täler des Tessins. Es zweigt kurz hinter
Intragna vom Centovalli ab und
überrascht
erst einmal durch einen steilen, fast geradlinigen Anstieg über 250
Höhenmeter, danach aber steigt die teils enge Straße nur mehr gering an
und führt ständig am Südhang hoch über der Onsernone entlang.
Die
ärmliche Heimat der Strohbinder zog Künstler und Literaten an. Ich fuhr
bis zur Ortschaft Russo, welches einst Zentrum der Strohflechterei war.
Bereits 1365 wurde die Pfarrkirche
Santa
Maria Assunta erbaut und zur Barockzeit umgebaut.
Am Dorfplatz befindet sich ein schöner Arkadenbau, die
Casa Bezzola. Meine
letzte
Rast vor der Heimfahrt machte ich im Gasthaus Della Posta an einem der
schweren Steintische. Nach dem Einnehmen heimischer Kost (Schinken,
Käse), machte ich mich auf den Weg nach Germignaga.
Somit war die 8 tägige Reise zu Ende. Auf der Rückfahrt noch einen
Abstecher in die Via Mala Schlucht, einen kleinen Umweg
über Lenzerheide,
und
die Visite der Landeshauptstadt
Vaduz von Lichtenstein.
Mein Fazit: Auf jedem Fall
ist
der Lago Maggiore eines der schönsten Wandergebiete in der Schweiz, egal
ob durch die Kastanienwälder, über alte Maultierpfade, über Weiden,
Almen und durch Bäche - der Weg zu den Dörfern in luftiger Höhe
erfordert stramme Waden und gute Kondition. Wie schon am Anfang erwähnt
war es mir leider nicht vergönnt, all die Wanderungen die ich vor hatte
zu erwandern. Es war einfach zu heiß an diesen Tagen. So Gott will werde
ich diese Reise nochmals tun.
Ein Film zu dieser Reise kann auf Kassette oder DVD zum Unkostenpreis erworben werden.